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Jetzt mal ganz ehrlich: Wer hatte jemals etwas von Nikolaus Schlenker gehört?
Ich jedenfalls nicht.

Außerdem hatte ich sowieso gar keine Lust auf einen zusätzlichen Termin. Und dann noch zwei Tage!
Den Montagabend hätte ich mir ja noch gefallen lassen, aber den ganzen schönen Maifeiertag bei diesem Traumwetter singend in der Kirche verbringen – nein Danke.

Um die ganze Unlust abzurunden hatte mich auch noch so eine Art gesanglicher Durchhänger erwischt. Mit meiner etwas unsteten Männerriege war ich mehr als unzufrieden und die Sangeslust war ein bisschen dem Sangesfrust gewichen.

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren war ich wild entschlossen, dass dieser Termin ohne mich stattfinden würde.
Weil das Wetter ja ein Dauerknaller ist, hatten wir uns auch schon mit der lieben Renate zum Radfahren verabredet. Die Kinder freuten sich und alles war bestens.

Renate meinte dann allerdings, Montagabend wollte sie eigentlich schon mal sehen, was da so los sei.
Da ich Montagabends eigentlich immer Flöten gehe, dachte, ich na ja, Musik ist Musik, gehst du halt statt Flöten mal singen, ist auch ok.

Also auf nach Waldbreitbach!

Nachdem wir ein bisschen auf Niko gewartet hatten und gerade unter der Leitung der Chefin anfangen wollten, kam er dann doch noch und nahm das (Gesangs)heft in die Hand und uns unter seine Fittiche.

Und siehe da, der Typ war nicht nur gut, der war auch noch überaus gut drauf und machte eine Musik, die so richtig Drive hat.

Ich bin immer sehr beeindruckt von Dingen, die ich selber nicht kann (deshalb erstarre ich auch immer wieder in Ehrfurcht, wenn mein liebster Rechnervirtuose zur Hochform aufläuft), aber Musik hat über Technik und gekonnte Präsentation hinaus auch noch ganz viel Seele, und wenn man solche Sachen nicht nur selber spielen sondern auch noch schreiben kann, dann kann ich nur sagen: Hut ab, Herr Schlenker. Kunst hat eben doch sehr viel mit Können zu tun.

Unser Workshop ließ sich dann ganz locker an („Moment, ich zeig euch das mal gerade, aber ich bin auch nicht so ein begnadeter Tänzer“. „Oh, die Glocken läuten; da muss ich mal schnell die Tonart wechseln.“).
Wir haben neue und alte Übungen zum Einsingen gemacht, neue und alte Lieder gesungen, die Männerstimme richtig aufgemischt und natürlich wieder jede Menge Spaß gehabt.

Mein Entschluss mit dem Fahrradfahren und dem Dienstag bröckelte gedanklich ein wenig und ich überlegte mir, dass es ja vielleicht doch ganz nett wäre, am Dienstag auch noch mit dabei zu sein ….

Langer Rede kurzer Sinn: am Dienstag waren Renate und ich brav wieder in der Kirche und haben gesungen, die Männer haben die Radtour alleine gemacht (worunter sie nach meinem Wissen keineswegs gelitten haben) und alle hatten einen rundherum schönen Feiertag.

Unser Gospelworkshop war eine gelungene Sache.
Ein bisschen mehr Hintergrundinformation wäre sicher nicht schlecht gewesen. Dann hätte man neben den praktischen Übungen auch noch sein Wissen über die Materie erweitern können und der „Work“-Charakter wäre mehr in den Vordergrund getreten, aber andererseits muss ja für folgende Veranstaltung auch noch etwas zu tun bleiben ….

Außerdem hätte jeder die Möglichkeit gehabt, eine vielleicht höchst erfolgreiche Karriere als Solosänger zu starten.

Aber das lässt sich ja nachholen.

Bis Dienstag
Susanne


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