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aus der Sicht einer Mitwirkenden

Weihnachtskonzert!

Eine Kirche voller Menschen, zwei Chöre singen ein Stündchen oder anderthalb, alle gehen froh nach Hause, das war’s!

Weihnachtskonzert?

Alles fängt schon kurz nach dem Sommerkonzert an.
Weihnachtslieder!
25 Grad im Schatten. In der Kirche ist es heiß. Man bekommt fast sofort Durst auf ein kühles Bier, und wir üben Weihnachtslieder!
In diesem - sorry, im vergangenen - Jahr war es besonders schlimm, weil der Weihnachtsmann offenbar vorhatte, sich in der Badehose unter den Weihnachtsbaum zu legen.
Aber wir sind erprobte Sänger und kennen so was. Das kann unsere Motivation natürlich in keiner Weise beeinträchtigen.

Der Einbruch kam dann aber doch, nämlich der in unsere Christuskirche. Da haben ein paar Lumpen unser Keyboard geklaut. Alle Einspielungen waren flöten! Datensicherung? Fehlanzeige! Wer klaut schon was aus einer Kirche! Aus Schaden wird man klug! Ich denke, Peppi (die Chefin) wird sich fortan den USB-Stick mit den Chordaten um den Hals hängen und ihn nur noch unter der Dusche ablegen.
Jedenfalls verursachte der Einbruch auch einen Einbruch bei uns, sowohl was gute Laune als auch was die Motivation betraf. Letztere war zwar schnell wieder hergestellt (jetzt erst recht), aber die gute Laune und die Gelassenheit brauchten ihre Zeit.

So ging der Herbst ins Land ….
Und es war weiter warm und sonnig und wir übten Weihnachtslieder.
Diesmal sollte es ein gemeinsames Weihnachtskonzert des Gospelchors und des Menschenkinderchors (das ist unsere „Nachwuchsorganisation“) geben.
Die kleinen Leute des Menschenkinderchors haben weder mit den Außentemperaturen noch mit dem fehlenden weihnachtlichen Ambiente irgendein Problem. Lange vor der Zeit können sie sowohl das Krippenspiel als auch ihre Lieder völlig aus dem FF. Wenn man bedenkt, dass etliche dieser Kinder noch zu klein sind um Lesen zu können …

Dann kam Weihnachten und damit die richtig heiße Phase.
Montag und Dienstag Weihnachten, Mittwoch Probe, Freitag Generalprobe, Samstag Konzert.

Bei der Probe am Mittwoch erfuhren wir, dass Peppi (die Chefin) eine Entzündung am Unterarm eingefangen hatte und gar nicht sicher war, ob das Konzert überhaupt würde stattfinden können.
Am Donnerstag musste der Arm dann operiert werden und die Chefin wurde verdonnert sich zu schonen.
Am Freitag wurde die Technik in der Kirche aufgebaut.
Eingedenk des Einbruchs vom Oktober wollten Timo – einer unserer stabilsten Sänger und außerdem der Zauberer am Mischpult – und Peppi nachts in der Kirche die Anlage bewachen und höchstens mal eine Mütze voll Schlaf auf dem Feldbett nehmen.
Beeindruckt von so viel Selbstlosigkeit boten wir (das sind mein lieber Achim, der den ganzen Internetauftritt unseres bunten Haufens zu verantworten hat und ich) uns ebenfalls voller Selbstlosigkeit an, den Nachtwachenden nach der Probe noch ein Süppchen in die Kirche zu bringen, damit sie nicht außer unter Schlafmangel auch noch unter leerem Magen zu leiden hatten.

Soweit war eigentlich alles ganz gut eingetaktet. Ein Letztes galt es noch zu regeln:
Wohin mit dem Hund?
Peppi hat nämlich einen ganz lieben, schnuckeligen, kleinen Hund, der jetzt ein halbes Jahr alt und äußerst quirlig ist. Und der zwischen Tontechnik, Sängern, Kostümen und Requisiten in der Kirche? – Wohl kaum.

„Susanne (das bin ich), könnt Ihr für das Wochenende den Hund nehmen?“
„Klar, wir haben fünf Kinder, eine Katze, dauernd Besuch und sowieso immer Chaos und die Bude voll. Natürlich können wir den Hund nehmen!!!“

So kam es, dass Freitag der Hund bei uns ein und wir zur Generalprobe zogen.
Die Probe haben wir tatsächlich auch halbwegs gut hinter uns gebracht.
Die Kinder waren natürlich wie immer souverän.
Peppi’s Arm schmerzte aus verständlichen Gründen. Die Männerstimme klappte auch nicht, aber das tut sie nie, deshalb war es nicht so schlimm (ich darf das sagen, weil ich seit Jahren gesanglich tapfer die Männer unterstütze und irgendwann wahrscheinlich einen Identitätsverlust werde hinnehmen müssen).

Zu später Stunde zogen wir mit dem großen Suppentopf , diversen Baguettes und einigen Fläschchen Wein dann noch einmal in die Kirche um die Wächter mit Essen zu versorgen.
Das war jedenfalls ein Erlebnis der besonderen Art.
Am Samstagmorgen sollte um 7:00 Uhr eine Andacht stattfinden. Das
bedeutete für unsere Nachtwache: 5:30 Uhr runter vom Feldbett!!!!
Statt auszuschlafen, hatten wir die Wächter (wiederum selbstlos) zum Frühstück eingeladen.
Aber der Hund musste ja sowieso raus ….

So um acht gingen alle ihrer Wege (Peppi mal wieder zum Arzt wegen des Arms, Timo arbeiten). Da klingelte das Telefon. Eines unserer Menschenkinder war überaus menschlich krank geworden, lag im Bett und konnte natürlich weder singen noch beim Krippenspiel mitmachen.

Also mal wieder ans Telefon. Es mussten ein Ersatz für die Sprechrolle und einer für den Gesang her.
Gut, dass ich so viele Kinder habe!
Das eine Gesangsstück wurde von Lasse (das ist mein Jüngster und eifriger Sänger bei den Menschenkindern) übernommen; für das andere konnten wir mit vereinten Kräften Britta (das ist meine Älteste, die bei uns mitsingt) gewinnen. Im Nachhinein schuf diese Aktion eine gelungene Verbindung vom Menschenkinderchor zum Gospelchor.
Für die Sprechrolle ist glücklicherweise Lulu eingesprungen. Das ist die Tochter einer weiteren Chorsusanne, die auch selbst im Menschenkinderchor mitgesungen hat.

Jetzt konnte das Konzert eigentlich kommen.
Bis dahin hatte ich für Aufregung noch gar keine Zeit gehabt. Das kam aber dann doch mit Macht.
Man ist plötzlich gar nicht mehr sicher ob man seine Stimme wirklich so sicher kann. Es ist eben etwas ganz anderes bei einer Chorprobe so locker vor sich hin zu singen oder dann in einer vollen Kirche zu stehen und alles richtig machen zu müssen.
Hinzu kommt noch der Respekt vor der Technik. Diese ganzen Mikrofone! Bitte nicht rascheln! Bitte nicht husten! Bitte nicht atmen! Bitte nicht bewegen! Man hört alles! Aber bitte schön locker und nicht so steif!

Aber schließlich ist es so weit, und dann ist es nur noch schön.
Die ersten Takte unseres ersten Liedes, Peppi lächelt, alles ist gut …
Ein sorgenvoller Blick zu „Ton-Timo“, er sieht ganz entspannt aus …

Und dann taucht man ein in eine ganz andere Welt, in der es nichts mehr gibt als Musik, große und kleine Sänger und frohe Menschen, denen man einen schönen Abend beschert.

Dann weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


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