Rhein-Zeitung 15.07.2006

Waldbreitbacher Chor „Klangfarben“freut sich über rund 150 Gäste beim Sommerkonzert in der evangelischen Christuskirche – Hitze passt prima zum musikalischen Thema

WALDBREITBACH – Es ist heiß in der Evangelischen Christuskirche in Waldbreitbach, kein Lüftchen regt sich und die rund 150 Gäste in den voll besetzten Kirchenbänken fächeln sich mit Gemeindebriefen und Infoblättchen immer wieder Luft zu. Ein Klima, passend zu dem Programm des Abends: Der Waldbreitbacher Gospelchor „Klangfarben“ lud zum Sommerkonzert ein.

Angefangen mit den Liedern der Sklaven in den amerikanischen Südstaaten bis hin zu religiösen Songs aus den schwarzen Kirchengemeinden hatten Chorleiterin Petra Zupp und ihre rund 50 Sänger hier einen Strauß aus Liedern zusammengestellt, der die Temperatur gleich um noch ein paar Grad steigen ließ.

„Wir hätten bei dem tollen Wetter gar nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, freute sich die Chorleiterin. Aber die Hitze hatte offenbar niemanden abgeschreckt und einige Sänger, denen es zu warm geworden war, schlangen einfach ihre bunten Schals, die alle Mitglieder der „Klangfarben“ um den Hals tragen, um den Arm -und weiter ging’s. Heiß war es schließlich auch auf den Baumwollfeldern, auf denen die Sklaven arbeiten mussten, die die ersten „Negro Spirituals“ sangen, sich damit geheime Botschaften schickten und Mut machten.

Zwischendurch erzählten die „Klangfarben „-Sänger die Geschichte der Gospelmusik von den Anfängen bis zu den Kirchengesängen der Afro-Amerikaner. Entsprechend gemischt ist auch die Liederfolge: „Good News“, „Let My Light Shine Bright“, „From A Distance“ – vom traurigen Klagelied bis hin zum fröhlichen und hoffnungsvollen Song voller Aufbruchstimmung ist alles dabei. Flottes Tempo wechselt sich mit getragenen Rhythmen ab, Solo-Einlagen fließen ein in das stimmgewaltige Gesamtbild des Chores.

Von diesen kleinen Gegensätzen lebt der Waldbreitbacher Gospelchor, was schon ein Blick auf seine Altersstruktur zeigt: Zwischen 12 und 70 Jahren sind hier sämtliche Altersstufen vertreten. Zusammen erzeugen die „Klangfarben „-Sänger eine Dynamik, die die Gospel-Songs zum Leben erweckt.

Es dauert nicht lange, bis im Publikum alles swingt und klatscht, zum Beispiel bei „The Lion“ fleißig mitsingt und die Sänger immer wieder neu anfeuert. „We Are The World“, singen die „Klangfarben“ zum Schluss und schaffen damit mit dem Publikum einmal mehr jenes Gefühl, das Gospels den Menschen über Jahrhunderte vermittelt haben – nämlich zusammenzugehören und nicht allein zu sein.

Angela Göbler

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